Disko auf dem q.flash…

Vom 4. bis 7. Oktober 2012 wird in Bremen ein viertägiges queerfeministisches Festival stattfinden. An diversen Orten in der Stadt wird es Workshops, Konzerte, Parties, Performances, Kneipenabende, Lesungen, Theater und vieles mehr geben. Mehr Infos unter http://qflash.blogsport.de! Kommt vorbei!

Auch wir werden in diesem Rahmen zwei Workshops anbieten:

1) My body, my choice? Schwangerschaftsabbruch
Samstag 10 – 13 Uhr, Infoladen
(ca. 3 h, open for all gender)
Das Thema Schwangerschaftsabbruch hat seinen zentralen Platz in feministischen Debatten und Kämpfen in Deutschland eingebüßt.
Nicht zuletzt aufgrund erkämpfter rechtlicher Verbesserungen wird der einfache und legale Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen oft fälschlicherweise als gesellschaftlich durchgesetzt angesehen. Der Bezug auf ein Thema, das so stark mit einer spezifisch weiblichen Körperlichkeit verknüpft zu sein scheint, wirkt mit dem Wandel feministischer Theorie und Praxis irgendwie überholt.
Aktionen christlicher Fundamentalist_innen, dadurch ausgelöste Debatten und eine erneute Verschärfungen des §218 haben in den letzten Jahren jedoch immer wieder deutlich gemacht, wie stark religiöse oder gesellschaftliche Moralvorstellungen und staatliche Regeln in diesem Zusammenhang über Reproduktion und Körper von Menschen bestimmen.
Reaktionen wie „Selbstbestimmungsrecht schön und gut, aber irgendwie isses ja schon Mord.“ scheinen eher die Regel als die Ausnahme zu bilden. Der Zugang zu einem Abbruch gestaltet sich für die meisten Betroffenen alles andere als einfach. Einen Abbruch vorzunehmen ist nach wie vor mit Stigma, Tabu und potenzieller Strafbarkeit belegt.
Höchste Zeit also, das Thema Schwangerschaftsabbruch aus privaten Entscheidungs-räumen zurück in linksradikale/(queer)feministische Diskussionsräume zu tragen. Yeah!
Der Workshop möchte sich dem Thema dabei vor allem unter den folgenden Fragen nähern:
Inwieweit ist die Rechtswidrigkeit und moralische Verurteilung von Schwangerschafts-abbrüchen Ausdruck und Bedingung eines strukturellen Patriarchats? Welches (staatliche) Interesse besteht daran, die Entscheidungsfreiheit bezüglich eines Schwangerschafts-abbruches einzuschränken und zu kontrollieren? Wie passen aktuelle Debatten um Schwangerschaftsabbruch mit Debatten um Bevölkerungsentwicklung, Geburtenrate und Fachkräftemangel zusammen? Wie lässt sich Pro Choice aus nicht-heteronormativer Perspektive denken?
Vorkenntnisse zum Thema sind genausowenig Teilnahmevoraussetzung wie die potenzielle Betroffenheit von einer ungewollten Schwangerschaft. Eine achtsame Gesprächsatmosphäre ist uns sehr wichtig, da das Thema Schwangerschaftsabbruch sehr persönlich sein kann.

My body, my choice? The issue of abortion
Saturday 10 am – 1 pm, at Infoladen
(all genders, about 2 hours, with translation 3 hours)
The issue of abortion lost its central place in feminist debates and politics in Germany. Through legal achievements concerning the issue, easy and legal access to abortion is mistaken as socially accepted. The issue seems to be old-fashioned. Nonetheless did the increase of pro-life fundamentalist activity in the last years show how much society’s moral concerns and the state’s law control reproduction and body politics. Abortion still is linked to taboo, shame and potential criminalization.
The key questions of this workshop will be the following:
how is the legal and moral condemnation of abortions caused by and condition for structural partriarchy? What’s the state’s interest in controlling reproduction? How are debates on abortion linked to debates on population development, birthrates and the deficit of skilled labor? How can one link pro choice with non-heteronormative perspectives?
Knowledge about the issue is not necessary nor is potential affectedness. The issue can be very personal and emotional for some. That’s why an atmosphere of respect and carefulness is demanded.

Benim bedenim, benim secimim? Hamileligi yarida kesmek

 

2) Diskussion zweier Ansätze queer-feministischer Kapitalismuskritik

Wann: Sa, 6.10.2012, 15.30-18.30 Uhr, Ort: DGB-Haus

In dieser Gesellschaft arbeiten Menschen auf unterschiedliche Arten und Weisen. Sie verrichten nicht nur der Sache nach qualitativ verschiedenste Tätigkeiten, wie beispielweise einen Tisch zimmern, kochen, Haare schneiden, eine Maschine warten, eine Kinderwindel wechseln, Knöllchen verteilen, Finanzkalkulationen erstellen, Aktien verkaufen, Gebäude entwerfen, einen Ausflug planen oder sich eine neue Werbekampagne ausdenken. Auch die Bedingungen, unter denen diese Arbeiten erledigt werden, und die Ziele, warum Menschen sie ausführen, sind ziemlich verschieden.

Menschen arbeiten zu Hause, im Büro, in der Fabrik, auf dem Bau oder im Café. Sie arbeiten, um Geld zu verdienen, oder unbezahlt für sich und andere: Kochen kann ich z.B. zu Hause für meine WG und meine Freund_innen oder als Köch_in im Restaurant gegen Geld.

Um mit ihrer Arbeit an Geld zu kommen, verkaufen manche auf Basis eines Arbeitsvertrags ihre Arbeitskraft für eine Zeitdauer an Unternehmen, Gesellschaften, Vereine und Privatpersonen. Andere sind als Kurzarbeiter_innen oder Freelancer_innen unterwegs und arbeiten auftragsgebunden. Wieder andere sind in Zeitarbeitsfirmen angestellt, die ihre Arbeitskraft an andere Unternehmen verleihen. Manche arbeiten als Anwält_innen oder Ärzt_innen – als Angestellte oder in der eigenen Praxis. Und wenn sie das nötige Kleingeld haben, machen einige selber einen Betrieb auf, um dort zu arbeiten und/oder andere für sich arbeiten zu lassen.

Ihren Alltag organisieren die Menschen allein oder gemeinsam in Familien, mit Partner_innen, in WGs oder politischen Projekten. Die meisten kaufen ihre Lebensmittel im Supermarkt, manche beteiligen sich an einer Food-Coop und einige bauen zum Eigenbedarf Gemüse im Garten an. Wie Menschen in dieser Gesellschaft leben und arbeiten ist also ziemlich divers.

Trotz dieser Diversität haben sie jedoch eins gemein: Alle sind erstmal ausgeschlossen von den notwendigen und schönen Dingen, die sie zum (über)leben brauchen. Kaum eine_r hat die Möglichkeit, allein oder mit mehren im Kollektiv alle notwendigen Dinge zum Eigenbedarf herzustellen und wenn sie darauf zugreifen möchten, geht das nur mit Geld.

Gibt es ökonomische Praxen, mit denen sich dieses Verhältnis verdrängen lässt? Was macht diese Praxen aus? Und wie stehen diese vielfältigen Arten zu arbeiten überhaupt zueinander? In welchem Verhältnis steht das Arbeiten gegen Geld zum Streichen des Zimmers einer Freund_in oder eines selbstverwalteten Hauses, zum Kochen für die WG, zum Eigenanbau im eigenen Garten und zu Kollektivbetrieben?

Kathrin Ganz/Do. Gerbig und Cornelia Möser/Jette Hausotter geben in ihren Texten1 ziemlich unterschiedliche Antworten auf diese Fragen. Im Workshop möchten wir diese beiden Ansätze queer-feministischer Kapitalismuskritik mit euch anhand der Texte diskutieren. Zunächst in Kleingruppen und dann in der Runde wollen wir gemeinsam klären, was für ein Verständnis die jeweiligen Autor_innen von Ökonomie/Kapitalismus haben und welche Kritik sie daran formulieren. Auf dieser Grundlage wollen wir mit euch diskutieren, inwiefern wir die Kritik teilen und/oder welche Definitionen wir passender finden.

Im Workshop lesen wir die Texte gemeinsam, ihr braucht also kein Vorwissen. Wir wünschen uns eine angenehme Diskussionsatmosphäre, bei der alle Fragen gestellt werden können und niemand den_die andere_n niederredet.

1Ganz/Gerbig: Diverser leben, arbeiten und Widerstand leisten – Queerende Perspektiven auf ökonomische Praxen der Transformation. Möser/Hausotter: Undoing Capitalism? Reclaim Economy!

Critique of capitalism from a queerfeminist perspective
Information at the infopoint (Bernhardstraße 10-12)

Kapitalist düzende cinsiyet iliskileri

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