Diskussion zweier Ansätze queer-feministischer Kapitalismuskritik

Workshop im Rahmen des q*flash: Samstag, 06.10.2012, 15.30-18.30 Uhr, DGB-Haus Bremen

In dieser Gesellschaft arbeiten Menschen auf unterschiedliche Arten und Weisen. Sie verrichten nicht nur der Sache nach qualitativ verschiedenste Tätigkeiten, wie beispielweise einen Tisch zimmern, kochen, Haare schneiden, eine Maschine warten, eine Kinderwindel wechseln, Knöllchen verteilen, Finanzkalkulationen erstellen, Aktien verkaufen, Gebäude entwerfen, einen Ausflug planen oder sich eine neue Werbekampagne ausdenken. Auch die Bedingungen, unter denen diese Arbeiten erledigt werden, und die Ziele, warum Menschen sie ausführen, sind ziemlich verschieden.

Menschen arbeiten zu Hause, im Büro, in der Fabrik, auf dem Bau oder im Café. Sie arbeiten, um Geld zu verdienen, oder unbezahlt für sich und andere: Kochen kann ich z.B. zu Hause für meine WG und meine Freund_innen oder als Köch_in im Restaurant gegen Geld.

Um mit ihrer Arbeit an Geld zu kommen, verkaufen manche auf Basis eines Arbeitsvertrags ihre Arbeitskraft für eine Zeitdauer an Unternehmen, Gesellschaften, Vereine und Privatpersonen. Andere sind als Kurzarbeiter_innen oder Freelancer_innen unterwegs und arbeiten auftragsgebunden. Wieder andere sind in Zeitarbeitsfirmen angestellt, die ihre Arbeitskraft an andere Unternehmen verleihen. Manche arbeiten als Anwält_innen oder Ärzt_innen – als Angestellte oder in der eigenen Praxis. Und wenn sie das nötige Kleingeld haben, machen einige selber einen Betrieb auf, um dort zu arbeiten und/oder andere für sich arbeiten zu lassen.

Ihren Alltag organisieren die Menschen allein oder gemeinsam in Familien, mit Partner_innen, in WGs oder politischen Projekten. Die meisten kaufen ihre Lebensmittel im Supermarkt, manche beteiligen sich an einer Food-Coop und einige bauen zum Eigenbedarf Gemüse im Garten an. Wie Menschen in dieser Gesellschaft leben und arbeiten ist also ziemlich divers.

Trotz dieser Diversität haben sie jedoch eins gemein: Alle sind erstmal ausgeschlossen von den notwendigen und schönen Dingen, die sie zum (über)leben brauchen. Kaum eine_r hat die Möglichkeit, allein oder mit mehren im Kollektiv alle notwendigen Dinge zum Eigenbedarf herzustellen und wenn sie darauf zugreifen möchten, geht das nur mit Geld.

Gibt es ökonomische Praxen, mit denen sich dieses Verhältnis verdrängen lässt? Was macht diese Praxen aus? Und wie stehen diese vielfältigen Arten zu arbeiten überhaupt zueinander? In welchem Verhältnis steht das Arbeiten gegen Geld zum Streichen des Zimmers einer Freund_in oder eines selbstverwalteten Hauses, zum Kochen für die WG, zum Eigenanbau im eigenen Garten und zu Kollektivbetrieben?

Kathrin Ganz/Do. Gerbig und Cornelia Möser/Jette Hausotter geben in ihren Texten1 ziemlich unterschiedliche Antworten auf diese Fragen. Im Workshop möchten wir diese beiden Ansätze queer-feministischer Kapitalismuskritik mit euch anhand der Texte diskutieren. Zunächst in Kleingruppen und dann in der Runde wollen wir gemeinsam klären, was für ein Verständnis die jeweiligen Autor_innen von Ökonomie/Kapitalismus haben und welche Kritik sie daran formulieren. Auf dieser Grundlage wollen wir mit euch diskutieren, inwiefern wir die Kritik teilen und/oder welche Definitionen wir passender finden.

Im Workshop lesen wir die Texte gemeinsam, ihr braucht also kein Vorwissen. Wir wünschen uns eine angenehme Diskussionsatmosphäre, bei der alle Fragen gestellt werden können und niemand den_die andere_n niederredet.

1Ganz/Gerbig: Diverser leben, arbeiten und Widerstand leisten – Queerende Perspektiven auf ökonomische Praxen der Transformation. Möser/Hausotter: Undoing Capitalism? Reclaim Economy!