"Erinnern und Handeln. Für mein Dresden."

Bürgerlicher Antifaschismus als Basis deutscher Selbstbeweihräucherung

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative

Wenn sich am 13. Februar in Dresden zum Gedenken des „Leids der Bombennacht“ eine Menschenkette bildet, tut sie das in klarer Abgrenzung zu „diese[n] Nazi-Typen“1. Nicht an diesem Ort, „dieser Stätte stiller Trauer, […] unserem wieder erstandenen Dresden“, soll sich diese „Horde Rechtsextremer“ zeigen.2 Denn, so Oberbürgermeisterin Helma Orosz: „Wir Dresdner wehren uns gegen Revanchismus, gegen Hass- und Gewalt-Propaganda. Wir wollen Versöhnung, und wir sind all jenen dankbar, die mit uns Versöhnung leben.“3

Dieser Versöhnungssprech ist spätestens seit den 90er Jahren zum offiziellen Paradigma bürgerlicher Gedenkpolitiken geworden. Grundlage dieser ‚Versöhnung‘ ist, dass immer wieder ‚bloßes Erinnern‘ kontextlos in den Vordergrund gestellt und sich dann ganz beiläufig zur deutschen ‚Schuld‘ bekannt wird. Schließlich gedenken die Dresdner_innen ja auch, nachdem sie um die nationalsozialistische Bevölkerung ihrer Stadt getrauert haben, den „Opfern dieses verdammten Krieges, der von deutschem Boden aus in die Welt getragen wurde.“4 In diesem Einheitsbrei des ‚Erinnerns‘ wird ein großer ‚Opfertopf‘ konstruiert, der zwar auf die Verfolgten und Ermordeten des nationalsozialistischen Regimes verweist, aber das nur, um die ‚unschuldige‘ Dresdner Bevölkerung als ‚Opfer‘ des Krieges miteinbeziehen zu können. Die Bombardierung Dresdens wird dabei entkontextualisiert und mystifiziert.

Also nicht erst, wenn schlussendlich von der „historische[n] Verantwortung“5 Deutschlands gefaselt wird, stellt sich die Frage nach der Rolle der ‚aufarbeitenden Erinnerung‘ des Nationalsozialismus in bürgerlicher Ideologie. Wenn sich zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens die geläuterte Nation inszeniert, scheint von ‚Verdrängung‘ auf jeden Fall keine Spur mehr zu sein…

Somit hat sich einiges in den letzten 20 Jahren rund um die Zelebrierung des Opferstatus der nationalsozialistischen Bevölkerung Dresdens geändert: Ein bürgerlicher Antifaschismus weiß sich klar von „Rechtsextremen“ und deren „Revanchismus“ abzugrenzen und erlaubt den guten Deutschen ihren ganz eigenen Geschichtsrevisionismus.

Am Beispiel der Mythen rund um die Bombardierung Dresdens und ihrer Inszenierung, soll in dieser Veranstaltung der Frage nachgegangen werden, auf welche Art und Weise Geschichtspolitiken innerhalb der bürgerlichen Ideologie zur deutschen Nation fungieren.

Anschließend soll zur Diskussion stehen, wie sich unterschiedliche Analysen des angesprochenen bürgerlichen Gedenkens in linksradikalen antifaschistischen Praxen und Interventionen niederschlagen.

 

1Rede von Oberbürgermeisterin Helma Orosz zur Kranzniederlegung am Heidefriedhof, 13. Februar 2010, http://13februar.dresden.de/de/presse/rede_orosz_01.php?lastpage=zur%20Ergebnisliste
2Ebd.
3Ebd.

4Ebd.

5Ebd.